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Mittwoch, 4. November 2009

Mittelalterliches Comic


Vor 500 Jahren konnten viele Menschen nicht lesen und schreiben, aber sie hatten Phantasie und konnten Bilder verstehn. Der Wittenberger Maler Lucas Cranach hat das erkannt. Und weil es ihm wichtig war, dass seine Mitmenschen die Botschaft der Bibel verstanden, darum malte er Bilder, die biblische Tatsachen erklären sollten, so wie Comics heute die Welt erklären. Und weil er ein berühmter Maler war, hatte er Schüler - Studenten würden wir heute sagen: Kunststudenten. Einer davon hieß Hans Döring (Herr Döring hat übrigens zusätzlich noch bei Albrecht Dürer studiert) und der malte auch später selbständig Bilder. Eines davon befindet sich in der Mansfelder Schlosskirche auf dem Altar:
Im linken Flügel zeigt eine in unseren Breiten eher ungewöhnliche Darstellung: "Jesus in der Hölle" - Ja, es gibt tatsächlich eine Bibelstelle, die davon berichtet im 1. Petrusbrief, Kap 2.
Wollen wir gemeinsam versuchen, diese Stelle zu ergründen? Na dann los:
Jesus ist die auffälligste Figur auf diesem Bild, er ist die größte Figur auf diesem Bild, mit seinem roten Mantel läuft er in die Hölle hinein, sein rechter Fuß ist noch draußen. Der linke Fuß steht auf einem Holzteil, es ist zerbrochen und hat einen eisernen Beschlag, am linken Rand des Bildes ist nochmal so ein Teil. Weißt du, was das ist? ... ein Stück von dem Tor der Hölle! Jesus hat es eingerannt, darum läuft er auch noch, weil er noch soviel Schwung hat. Hier hat der Maler seine erste Botschaft verpackt: Du kannst in der Hölle nicht mehr eingesperrt werden, das Tor ist zerbrochen, jederzeit kannst du raus - wenn du willst.
Und dann haben die ganz findigen Betrachter sicher schon die anderen biblischen Figuren entdeckt: Adam und Eva - links am Rand, Jesus gegenüber und Mose - rechts am Rand auf Kopfhöhe von Jesus. Sie stellen jeweils einen Teil der weiteren Erklärung dar:
Adam und Evan stehen für das Problem: Seit dem Sündenfall, wo die beiden von dem verbotenen Baum gegessen haben, ist ein unüberwindlicher Abgrund zwischen Gott und den Menschen.
Mose symbolisiert die 10 Gebote - er hält die steinernen Tafeln auch in seinem Händen. Diese Gebote offenbaren unsere Schuld vor Gott: Kein Mensch hat jemals alle Gebote sein Leben lang gehalten.
Damit wir Menschen aber nicht in alle Ewigkeit von Gott getrennt bleiben, ist Jesus als Mensch auf die Erde gekommen. an dem Hirtenstab, den er in seiner Hand hält, sehen wir oben das Zeichen der Rettung: Das Kreuz mit der Siegesfahne. Dieses Zeichen bedeutet, dass Jesus durch seinen Tod am Kreuz Sünde und Tod besiegt hat. Darum müssen sich die Menschen, die Jesus vertrauen nicht vor dem Tod fürchten.

Dienstag, 28. Oktober 2008

Zeitgeist

Ein youtube-video, dass viel angeklickt wird ist das Video Zeitgeist. Darin wird z. B. behauptet, dass von vielen Göttern schon lange bevor Jesus auf der Erde lebte ganz ähnliche Wunder und Lebensumstände berichtet werden. Ich hab jetzt nicht die ganze Latte der aufgezählten Götter recherchiert, nur für Horus und Dionysos hab ich mal das net abgegrast - und siehe da: Nichts von Junfrauengeburt, erste Lehre mit 12 Jahren, 12 Jüngern, Wundern, Tod am Kreuz und Auferstehung nach drei Tagen steht auf den Seiten über die beiden Helden oder Halbgötter. Was über diese beiden in "Zeitgeist" behauptet wird entspricht nicht den Tatsachen.
Überhaupt kann schon jeder, der einigermaßen mit der Bibel vertraut ist, den Braten riechen. So wird in dem Video behauptet, dass Jesus am 25. Dezember geboren ist. In meiner Bibel hab ich das bisher noch nicht gefunden. Das Weihnachtsfest wurde in der Urchristenheit erst mal zu sehr unterschiedlichen Zeiten gefeiert. Man war sich drüber im Klaren, dass Jesu Geburtsdatum unbekannt ist. Erst mit der Ausbreitung des Christentum nach Norden - also Mitteleuropa - führte man den heutigen Weihnachtstermin ein.
Dass Motive aus der Bibel, wie z. B. Sintflut, Moses Geburt und Errettung, Zehn Geboten usw. auch inanderen alten (angeblich älteren) Schriften erwähnt werden, muss kein Beweis sein, dass diese biblischen Geschichten falsch ist. Eher sind sie das Gegenteil: Nämlich Hinweise darauf, dass die Ereignisse wirklich passiert sind. Es sind unterschiedliche Zeugen, die gleiche Dinge aussagen. Vor einem Gericht unserer Zeit wird das nicht als Beleg für eine Lüge/Fälschung, sondern als Beweis für Wahrheit gewertet. Wenn man nämlich beweisen will, dass die Verfasser der Bibel von dort abgeschrieben haben, muss man sich erst mal im Klaren drüber sein, wann die einzelnen Texte entstanden sind. Das ist so gut wie unmöglich, wenn wir etwas können, dann finden wir vielleicht Hinweise, wann ein Text zuerst schriftlich niederglegt wurden. Über die Dauer der vorausgehenden mündlichen Überlieferung kann man dann immer noch nichts sagen.

Lasst euch also von diesem sogenannten Aufklärungs- oder Enthüllungsfilmchen nicht irre machen, sondern schaut nach, was wirklich dahinter steckt. Nicht alles, was professionell aufbereitet ist, ist auch wahr und gut.